Sinnvolles Spielzeug

Sinnvolles Spielzeug

Wenn unkreatives Spielzeug den Kindern die letzte Fanatsie raubt

Erst am vergangenen Sonntag greift die bekannte Zeitung „Welt am Sonntag“ mit dem Beitrag „Das ist kein Spiel mehr" ein Thema auf, welches uns seit Jahren am Herzen liegt. Es ist eine Geschichte, die soweit gar nicht weg ist. Vielmehr spielt sie sich gleich in den Kinderzimmern unserer Kinder ab. Sie handelt von all den buntesten, glitzernsten und geräuschvollsten Spielzeugträumen und ganzen Spielelandschaften, welche man sich heute wünschen kann. Jedoch ist damit keineswegs eine Werbung für die reguläre Spielzeugindustrie, verbunden sondern viel mehr ein Weckruf, bevor die Fantasie unserer Kinder ganz weg industrialisiert wurde bzw. mit anderen Worten: "im Konsumüberfluss ertrinkt".

In dem recht kritisch geschriebenen Beitrag wird vor Augen geführt, wie es unseren Kindern mit dem Spiel-Luxus von heute geht bzw. ergeht. In diesem Ratgeber möchten wir nicht nur verschiedene Entscheidungshilfen, wie unser „weniger ist mehr“ – Prinzip, wiederholen, sondern vertiefen auch das Warum. Ebenso erläutern wir, warum so manches Spielzeug keines mehr ist, sondern vielmehr die Vollendung einer Strategie für den Kauf des Spielzeuges von morgen und übermorgen und so weiter.

 

Spielzeugflut gegen Langeweile

Passend greifen wir aus dem tollen Beitrag von „Susanne Gaschke“  die Fragestellung auf, wie es sein kann, dass der trotz immer noch schwachen Geburtenrate in Deutschland, immer mehr Spielzeug in den Kinderzimmer landet. Thesen gibt es dazu mehrere: Zum einen fühlen wir auch beim Spielzeugkauf den Instinkt: "viel hilft auch viel". Also je mehr Spielzeug pro Spielalter, pro Thema und pro Lernbereich umso besser sei es für das Kind und natürlich gegen die Gefahr der Langenweile, die es zu beseitigen gilt. Doch ist das so? Ist das unsere Aufgabe als Eltern und Großeltern? Zur Langenweile haben wir einen tollen Gastbeitrag, welcher den Grundsatz verständlich aufgreift und vor Augen führt, dass hinter dem Begriff „Langeweile“ eigentlich eine „lange Weile Zeit haben“ steckt. Zeit für das Spielen, Zeit sich etwas auszudenken und auch Zeit einfach mal nichts zu tun und nicht entertaint zu werden. Was für das Kind sogar gesund ist, nämlich Zeit zu haben, deuten wir als Aktivator reagieren zu müssen: entweder mit dem Entertainment oder eben mit noch mehr Spielzeug.

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Zum anderen ist die Ursache gar nicht so sehr bei uns begründet, sondern leider einmal mehr bei durchdachten Werbestrategien und modifizierten Spielzeugen, welche darauf abzielen, wie wir es nennen, eine gewisse „Spiel-Halbwärtszeit“ mitzubringen. Das bedeutet, wenn verschiedene Türchen einmal geöffnet sind, können sie nur noch schwer geschlossen werden. Hinzu kommt, dass vieles bei den Kindern lediglich kurzfristig gut ankommt und dann schlägt sie zu, die Falle des Konsums ohne sich dessen bewusst zu sein. Auf der Strecke bleiben dann Fantasie, Kreativität und Spielwert.

 

Gibt es kreatives Spielzeug?

Hierzu hören wir die verschiedensten Kontroversen: Welche, die sagen ganz klar nein und natürlich solche, die es bejahen. Sicher ist vermutlich nur der Umstand, dass enddesignte Spielzeuge mit fertigen Charakteren, geschlossene Spielelandschaften und vorgegebene Bausätze definitiv nicht pädagogisch wertvoll sein können. Den Aspekt des Spielzeugs, welches die Verwendung möglichst offen lässt nehmen nicht nur viele Artikelbeschreibungen aus unserem Sortiment bzw. verschiedene Beiträge aus unserem Blog und Ratgeber, sondern auch der Beitrag der „Welt am Sonntag“. Abgebildet werden, in dem vorgenannten Artikel, durchgetrimmte Puppen und Spielfiguren, Modell- und Tretautos mit Markenzeichen und Originallackierungen. Zum Ausdruck soll gebracht werden, dass es zu jedem Thema, jeden Anlass und aktuell in Büchern und Fernsehen angesagten Modeerscheinungen das gesamte Programm an Bausätzen, Spielwelten, Figuren und Puppen, wenn nicht sogar gebrandete Kleidung gibt. Auch ja kein einziges Detail an den Figuren, Autos, Puppenhäusern oder Kuscheltieren wurde ausgelassen. Elektronische Sound-Chips, LED-Beleuchtung und motorisierte Antriebe nehmen alles ab was geht.

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Die Freiheit der Fantasie von Kindern in Grenzen gesetzt

Wo die Freiheit keine Grenzen kennt, das war früher einmal, müsste man heute urteilen. Warum so kritisch? Die Antwort lässt sich zwischen den Eltern mit den Schenkenden und den Kinder aufteilen, da beide Gruppen die Leidtragenden sind. Die Kinder merken es als erstes, jedoch ohne es bewusst zu merken. Wenn sie konfrontiert werden mit Spielzeugen die bereits das meiste vorgeben, z.B. mit Puppen die vom Ausdruck her stets gut oder schlecht gelaunt sind oder bei den Action-Figuren, welche ohnehin meist stets den gleichen Gesichtsausdruck einer Einmarschtruppe, vor dem nächsten Frontangriff haben, was bleibt den Kindern anderes als genau in diesem Rahmen zu spielen? Bei den Spielwelten von ganzen Feuerstationen, mit brennenden Häusern oder Puppenhäusern mit Logo-Aufdrucken, bei den Haushaltsgegenständen ganz zu schweigen. Ein brennendes Haus bleibt ein brennendes Haus. Der vorgegebene Haushalt und die Einrichtung mit Markenbindung schaffen gleich für später die Grundorientierung. Welche fehlende Lücke gilt es noch zu füllen mit eigener Kreativität und Vorstellungskraft, wenn alles vorgeben wird? Wie schwer muss es den Kindern heute fallen, hiervon noch abzuweichen? Den Bausatz eben für ein anderes Gebäude zu verwenden, dem Alien-Monster mit Laserpistole eine neutrale Rolle zuzuteilen? Das dürfte selbst uns als Erwachsenen schwer fallen und wir haben es bereits gelernt, Fantasie zu haben. Kleinkinder müssen dies erst noch lernen und brauchen dazu uns Eltern und ausgewähltes Spielzeug, welches Fantasie auch zulässt.

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Gute Puppen z.B. sind in der Gesichtsmimik eher zurückhaltend und von der Ausgestaltung bewusst so gemacht, dass das Kind heute gute Laune und morgen auch einmal schlecht Laune hineindeuten kann. Schließlich fühlen auch wir uns nicht jeden Tag gleich. Es müssen also nicht erst einmal Reize und fertiger Mimiken, Formen und Optiken weggedacht werden, um anders spielen zu dürfen, wie es der Hersteller vorgesehen hat. Die Folge dabei ist, dass das Spielzeug, welches zu viel vorweg nimmt und nur eingeschränkt bespielbar ist, schnell erweitert werden muss, um eben auch abweichend bespielt werden zu können. Ebenso sinkt schnell das Interesse, weil die Spielvielfalt schlicht nicht gegeben ist. Kinder entwickeln sich weiter und mit Ihnen die Sichtweise und Fähigkeiten. Spielzeug was nur für eine Stufe und Situation gemacht ist, bleibt auch nur genau dafür geeignet.

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Teddybären und Kuscheltiere waren, früher stets per Hand genäht, ihr individuelles Gesicht mit einer Nase die nicht der anderen gleicht, schnell der beste Freund, Zuhörer für Sorgen und Nöte und einfach auch mal zum Schmusen da. Heute darf es keine Individualität mehr geben und eine nahtgenaue Serienfertigung gilt als Qualitätsmerkmal. Aber wie sehen das die Kinder, wenn sie die Wahl nach dem besten neuen Kuschelfreund haben? Wenn wir uns an die Originalgeschichte und Käthe Kruse erinnern, erinnern wir uns auch an die Verwunderung der Eltern darüber, dass die Kinder eine einfache Stoffpuppe Hochglanz-Porzellanpuppen vorzogen. Auch hier kommt die Fantasie zum Tragen und es entsteht eine richtige Bindung, welche sie sogar hören können, in den Momenten, in welchen das Kind den Bären zudeckt und eine Gute Nacht Geschichte erzählt. Das da ein Bio-Kuscheltier anstelle einer Plastik-Bombe von Vorteil ist, ist dann nochmal ein andere Geschichte.

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Bei den Kaufenden beginnt genau hier das Dilemma, denn die Preise der Plastiklandschaften, Baukästen und Figuren sind, trotz auf Kosteneffizienz getrimmte Herstellungsverfahren, nicht so „billig“ wie sie, gemessen an ihrem Spielwert auf Zeit, eigentlich sein müssten. Auch steht schon bald der Folgekauf an, was die Massenspielzeug-Industrie bereits im Vorfeld bedacht hat, um die einst gesetzten Grenzen dann doch irgendwie auszuweiten. Natürlich meinen wir es als Eltern und Großeltern sowie Schenkende nur gut. Wer denn auch nicht? Als vielleicht die Produzenten, die Produktion auf Massen trimmen, es dann aber auch nicht ausbaden müssen.

 

Die Auswirkungen vom ungeeigneten Spielzeug

Gehen beide Eltern arbeiten, einfach weil sonst der notwendige Lebensunterhalt nicht zusammen kommt, was die Regel und nicht die Ausnahme ist, erhöht es nur noch mehr den Druck für alle. Wir Eltern verspüren noch stärker den Wunsch, es an andere Stelle, ggf. durch mehr Spielzeug, ausgleichen zu wollen. Die Kinder sollten durch geführtes oder interaktives Spielzeug möglichst selbstständig spielen. Dabei ist bei Kleinkindern nach 15-20 Minuten ohnehin Schluss mit der Aufmerksamkeit, bezogen auf ein und dieselbe Sache oder Spiel. Und die Kreativität braucht auch erstmal einen kleinen Anstupser. So zu sehen z.B. beim Spielen im Sandkasten, wenn wir den Auftrag für den Sand-Kirschkuchen erteilen und uns sodann über ein kurzfristig zusammenhaltendes Sandhäufchen auf ehrliche Weise freuen. Beim nächsten Mal bekommen wir dann schon die herrlichsten Eissorten kreiert. Schade nur, dass es in dem Moment aus Sand ist.

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Weihnachten, Ostern und Geburtstag nahen schneller als gedacht und der Stresspegel steigert sich überproportional:  Zum einem der Druck unter welchen man steht, es richtig und pädagogisch, sowie so schadstofffrei wie möglich machen zu wollen. Dank praller Spielzeugregale sind wir gleich überflutet an Reizen und Kaufmanipulatoren, mit dem Versprechen von angeblich wertvollen Spielzeugen, aber mit doch nur sehr geringem Nutzen für das Kind. Die Zimmer füllen sich und das Unverständnis über dennoch entstehende Langeweile wächst mit. Ganz anders bei simplen Holzbauklötzen, mit welchen sich ein Bauernhof mit Zäunen, ergänzt um ein paar Tiere von „Jurassic Park“ bis zum Landhof alles nachbauen lässt. Mit anderen Worten: Blickt ein Kind auf sein Regal voller Spielwelten , sieht es immer auch gleich auch das Endergebnis und wenn es sich heute nicht danach fühlt, dann wird es davor sitzen bleiben, wie wir vor dem Supermarkt-Regal mit 35 Erdbeer-Marmeladen. Ganz anders, wie vor zwei Truhen mit Bausteinen, einigen Holzfiguren und Tüchern bzw. Konstruktionsspielzeug oder Knete sowie Farben. Hier beginnt es nämlich gleich mit den kreisenden Gedanken: „Welche Welt oder welches Spielzeug kann ich hieraus heute bauen?“, „Ist mir nach einer Höhle oder lieber nach einem Indianer-Fort?“  Gut ist, wenn das Kind dann eine „lange Weile Zeit“ hat…

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Während es früher die Marketing-Maschinerie auf uns Eltern abzielte, wurden wir inzwischen, ohne es zu bemerken, in die zweite Reihe strafversetzt. Auch wenn der humorvolle Vergleich mit der Funktion Herrchen = Dösenöffner noch irgendwie witzig ist, ist es bezogen auf die Spielzeugindustrie, nicht mehr so lustig. Denn bezogen auf die Spielsachen taugen wir zu nichts mehr, als zu dem notwendigen Übel mit dem Geld und der Geschäftsfähigkeit... Keinesfalls dürfen, so deren Ziel, Eltern als Vernunftsträger einem Kaufprozess im Wege stehen. Keiner sagt gerne nein und auf Dauer schon gar nicht. Dennoch ist ein „Nein“ auch gesund für das Kind. Es gibt auch kein Grund für ein „Dauer-Nein“. Es ist nur viel schwerer geworden, das zu finden, wo es mit Freude auch ein „ja“ sein darf.

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Mit bedauern passt hierzu ein kürzlicher Post auf einem sozialen Netzwerk, welcher davon handelte, wie groß doch die Unterschiede der früheren, zu der heutigen Vorweihnachtszeit sind. Wo ist sie hin die Zeit, wo es vier Wochen lang galt, Gedichte für den großen Auftritt vor dem Weihnachtsmann zu lernen, Musikstücke einzustudieren, gemeinsam Plätzchen zu backen und zu schmücken? Geben tut es das genauso, aber es ist eher zur Seltenheit geworden. Viel wichtiger ist die vermeintliche Suche nach dem größten Spielzeug und mit welcher in Spritzgussform gegossen Kunststofffigur in Übergröße, in der Kita der eigene Freund übertrumpft werden kann. Und wehe der Weihnachtsmann hat mich trotz des auf dem Tablet gemalten Wunschzettels, übersetzt in 19 Sprachen, immer noch nicht verstande!

 

Gutes Spielzeug gibt es wirklich

Gutes Spielzeug ist mäßig gekauftes Spielzeug. Und natürlich muss nicht die gesamte Spielzeugindustrie eingestampft werden. Es sollte jedoch überlegt, welche Aussage viele der finster-drein-guckenden Zombie-Figuren für eine Aussage wohl dem Kind mit geben . Und ja, es gibt Spielzeug mit pädagogischen Anreiz. Dies ist aber ein solches, welches einen veränderbaren Spielverlauf zulässt. Puppen, die nicht so aussehen, als wenn sie gerade das Aktiengeschäft ihres Lebens an der Wall-Street gemacht haben und die anscheinend keinen Raum mehr für Familie haben. Bei dieser Entwicklung könnte man sich schon fasst die früher diskutierten Nachteile der Mode-Pupen eines bekannten Herstellers zurück wünschen. Wertvoll sind mit vermutlich auch die Puppen nicht, deren chemische Zusammensetzung man schon riechen kann und eine der anderen gleicht.

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Es sind vielmehr ausbaufähige und zu ergänzende Grundsets. Ob als Holzauto oder als Spielwelt bzw. Kaufladen, die sich in Etappen in der Ausbaustufe kaufen lassen in welcher das Kind gerade steckt. Hat es dann wirklich alles ausprobiert und herausgefunden, naht bestimmt bald wieder ein neues Ereignis und es darf ein Zubehör oder Anbauteil sein. 

Ob eine Puppe mit dem richtigen Fuß aus dem Bettchen gekrabbelt ist kann das Kind selber entscheiden und was fehlt, wie z.B. beim Bauernhof der Stall, wird dann aus Bauklötzen, die noch aus dem Babyalter vorhanden sind, dazu gebaut. Die Kinderzimmer werden sich in der Fülle unterscheiden und auch in der Ruhe beim Spiel.

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Apropos Ruhe… Natürlich darf es auch modern werden und im richtigen Alter auch medial. Aber zuvor ist es doch schön, wenn selbst beim comichaften Spiel mit Actionfiguren die Töne wieder von den Kindern erzeugt werden als von Sound-Generatoren auf Abruf, oder?

 

Fazit und Tipps für den Spielzeugkauf

Selbst bei einem kritischem Blick auf diesen und ähnliche Beiträge, geht es keineswegs um Verteufelung. Weder gegen den Spielzeugkauf an sich, noch gegen modernes oder interaktives Spielezug auf Lebenszeit. Vielmehr geht die Kritik gegen den Trash, welchen es in Massen von Supermärkten gibt. Hergestellt von der Spielzeugindustrie, welche es unter Umständen vorzieht, in Niedriglohnländern, ggf. ohne genügenden Arbeitsschutz, zu produzieren zu lassen. Um Millionen-Budgets für ausgeklügelte psychologische Marketingtricks für einen Bedarf zu erarbeiten, welchen es noch gar nicht gibt. Dagegen stehen kleinere und mittelständische Familienunternehmen als Spielzeughersteller, welche bevorzugt in Deutschland herstellen, regionale Arbeitsplätze schaffen und mit hohem Aufwand nach dem maximalen Spielwert für das Kind streben.

Doch wie können wir Eltern uns selber helfen und was können wir steuern? Uns vor all der Werbung zu verschließen, werden wir ebenso nicht schaffen, wie es von den Kindern fernzuhalten. Also wird der Moment kommen! Spätestens beim gemeinsamen Gang durch das Kaufhaus oder bei der Abgabe des Wunschzettels, bei dem die Werbemethoden bei uns einschlagen, wie das Sperrfeuer eines Sternenzerstörers. Und dann? Schießen wir mit einem „Dauer-Nein“ gebetsmühlenartig zurück? Keine angenehme Situation!

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Wir müssen uns entscheiden! Geben wir Eltern in diesem Moment bei einem solchen Spielzeug nach, haben wir die Diskussion nicht zum letzten Mal geführt. So können wir uns dann schon förmlich wie bei einem Déjà-vu die nächste Ergänzung statt Erweiterung kaufen sehen. In diesem Moment darf es ruhigen Gewissens ein „Nein“ sein. Etwas später lohnt sich die Erklärung warum das Spielzeug aus Elternsicht nicht gekauft wurde. Die sachlichen Argumente z.B. "es ist bereits genügend da" oder "man wählt lieber etwas mit mehr Spielmöglichkeiten aus", verstehen die Kinder oft besser als man denkt.

 

Wichtig ist in erster Linie folgendes. Wenn Sie Spielzeug kaufen, dann achten Sie auf:

  • die Auswahl des Spielzeugs, die dem Alter des Kindes gerecht wird;
  • die Spielzeugsicherheit und hohe Qualität der Verarbeitung;
  • schadstofffreie Materialien;
  • Spielzeug, das dem Kind nicht die Kreativität und Fantasie abnimmt;
  • möglichst freies Spielen und veränderbaren Spielverlauf zulassendes Spielzeug;
  • ggf. erweiterbare Grundsysteme, welche mit den Entwicklungsstufen mitwachsen;
  • sowie auf eine faire und ökologische Herstellung den Arbeitnehmern und der Umwelt zuliebe.

Wird ein Spielzeug, welches für ältere Kinder gedacht ist zu früh geschenkt, dann kann es zur Überforderung des Kindes und damit zum Frust führen. Das Interesse sinkt und ein weiterer Staubfänger ist geboren. Es passiert jedoch unbemerkt noch etwas ganz anderes: Wir schaffen uns selber Konkurrenz. An dem Beispiel eines 4-jähigen Jungen, welcher schon ein ferngesteuertes Auto vom Weihnachtsmann bekommen soll, stellt sich die Frage, was soll er im nächsten Jahr und das Jahr darauf bekommen? Was muss es sein, um das noch toppen zu können bzw. was kann er aus dem Auto machen, wenn dies mit der Zeit ausgekundschaftet worden ist? Ebenso tritt eine veränderte Erwartungshaltung an allen übrigen und weiteren Geschenken ein, wieso geht bei dem Holzkran auf einmal kein Licht mehr an und wieso baggert der Sitzbagger für den Sandkasten nicht von allein… Deshalb ist ein Spontankauf oftmals keine gute Idee. Es gibt genügend Ideen an mitwachsenden Spielkonzepten. Einige von Ihnen tragen auch das „spielgut“ Siegel. Andere erkennt man an den offen gelassenen Details, welche den Kinder die Aufgabe zurück gibt sie aus eigener Kraft auszufüllen.

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Schenken Sie lieber Qualitatives, was sich unter dem Strich auch günstiger Auswirkt, auch wenn es am Anfang vermeintlich mehr kosten mag. Offene Themen wie eine Spielküche und Kaufmannsladen sind super Geschenkeideen um sie als Gemeinschaft zu schenken. Ein Thema, viel zum Auspacken,keine Konkurrenz unterhalb der Geschenke. Leuchtende Kinderaugen, statt Tränen vor Überreizung, sind die Unterscheidungsmerkmale zwischen sinnvollen und sinnlosen Geschenken für die Kleinen und Kleinsten.

 

Quelle: Vgl. "Das ist kein Spiel mehr" ; Susanne Gascke; Welt am Sonntag - Nr. 49 Dezember 2016, S. 13-16 

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